Am 11.12.2025 fand die zweite Online-Live-Demo „Kluge Köpfe. Klare Kante.“ statt. Der Schwerpunkt lag dieses Mal klar auf Mobbing, Bossing, Boreout und Arbeitsbedingungen, die Menschen auf Dauer krank machen.

Mir fiel auf, dass dieses Mal weniger Teilnehmer:innen ihre Kamera anmachten. Direkt im Anschluss erhielt ich allerdings deutlich mehr private Nachrichten und einige Teilnehmende buchten direkt mein Kennenlerngespräch. Was zeigt das? Mir zeigt es, wie stark die Verletzungen häufig sind, die durch Mobbing und Bossing entstehen. Die Betroffenen haben so große Angst, sich zu zeigen, mitzuteilen und einzubringen, dass sie sich leise drehen und lieber im Hintergrund bleiben. Das ist verständlich und auch hierfür ist bei der Online-Live-Demo Raum.

In diesem Blogbeitrag fasse ich zusammen, welche Themen in der zweiten Online-Live-Demo im Mittelpunkt standen und warum der Fokus auf krank machende Arbeitsbedingungen dieses Mal so präsent war.

Ein Ausstieg beendet zwar das Arbeitsverhältnis, aber unser Nervensystem bleibt in der Anspannung

Mehrere Teilnehmende berichteten, dass sie bereits gekündigt haben oder aus dem belastenden Arbeitsumfeld raus sind. Trotzdem sind die Folgen weiterhin spürbar. Träume vom alten Arbeitgeber, anhaltende innere Unruhe, starke körperliche Reaktionen bei bestimmten Gedanken oder Gesprächen bestätigten fast alle Teilnehmenden.

Besonders eindrücklich war die Aussage einer Teilnehmerin, ihr Neuanfang sei eigentlich schon da, aber ihr Nervensystem hinke hinterher. Diese Beobachtung zieht sich durch viele berufliche Übergänge. Der formale Ausstieg beendet die Tätigkeit, nicht aber automatisch die körperliche und emotionale Verarbeitung.

Auch ich kann dies bestätigen. Insbesondere als ich mit meiner eigenen Geschichte in die Öffentlichkeit gegangen bin, plagten mich die Gedanken: „Darf ich das?“, „Was passiert, wenn ehemalige Arbeitgeber das lesen?“ oder „Übertreibe ich nicht vielleicht doch? Vielleicht war ich einfach nur in einer schwierigen Phase.“ Genau das, was mir jahrelang weisgemacht wurde und warum ich mich ständig so unglaublich falsch gefühlt habe. Als ich mich jedoch entschieden habe, meine Geschichte zu teilen, kamen so viele Menschen auf mich zu, die mir dafür dankten. Und so wusste ich: Das ist genau der richtige Weg. Alles andere wäre falsch!

Körperliche Symptome als Langzeitfolgen beruflicher Belastung

Im Austausch wurden zahlreiche körperliche Symptome genannt, die im Zusammenhang mit dem Arbeitskontext stehen oder standen. Dazu gehörten Atemnot, Hyperventilation in Gesprächen, Tinnitus, Schlafstörungen, anhaltende Anspannung, Herzstechen sowie tiefe, anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung.

Diese Symptome treten nicht unbedingt isoliert auf, sondern teilweise auch parallel oder hintereinander, als Folge längerer Belastungsphasen. Auffällig war, dass alle Teilnehmenden bereits gespürt haben, dass der Körper rebelliert, manchen Teilnehmenden waren allerdings die Zusammenhänge noch nicht bewusst. Der Körper zeigt uns, wenn etwas nicht passt und wird damit zum deutlichsten Indikator dafür, dass Grenzen überschritten werden.

Unterforderung wirkt ebenso zermürbend wie Überlastung

Neben klassischen Erschöpfungsthemen spielte auch das Thema Boreout in Form von (geistiger) Unterforderung eine zentrale Rolle. Teilnehmende beschrieben das Gefühl, ausgebremst zu werden, keine Entwicklungsmöglichkeiten zu haben und ihr Potenzial nicht einbringen zu können. Diese Form der Belastung wird häufig unterschätzt, führt aber ebenso zu innerem Rückzug, Frustration und gesundheitlichen Symptomen.

Ein ehrliches Hinschauen und sich Zeit für sich selbst nehmen, können hier bereits hilfreich sein. Mein kostenloses E-Book „Endlich ankommen“ liefert dir 20 Impulse, um wieder bei dir anzukommen. Du kannst beispielsweise fast drei Wochen täglich einen Impuls nutzen oder alles hintereinanderweg durcharbeiten, ganz wie es für dich stimmig ist.

Fehler im System sichtbar machen

Wir sprachen zudem darüber, dass in Unternehmen häufig individuelle Schwächen als Fehler thematisiert werden, während strukturelle Probleme unberührt bleiben. Statt Menschen zu pathologisieren, lohnt es sich, hinzuschauen, wo Systeme selbst dysfunktional sind und wie wir sie menschlicher gestalten können.

Dies erfordert Mut, echtes Interesse für die Menschen innerhalb des Systems und Gestaltungswille, aber auch hier: Es lohnt sich!

Bedürfnisse wieder wahrnehmen lernen

Ziel der Online-Live-Demo ist es nicht nur hinzuschauen, was nicht funktioniert und den Teilnehmenden das Gefühl zu geben, damit nicht allein zu sein, sondern es geht zudem immer darum, was wir tun können, um etwas für uns selbst und/oder andere zu bewirken.

Im zweiten Teil der Demo lag der Schwerpunkt dieses Mal auf der Frage, wie Menschen wieder Zugang zu ihren eigenen Bedürfnissen finden können. Dabei ging es um die Beantwortung folgender Fragen:

Wenn du heute ganz unverschämt ehrlich mit dir selbst sein darfst: Was brauchst du in deinem Berufsleben wirklich?

Die Teilnehmenden bekamen die Zeit, diese Frage für sich persönlich zu beantworten. Anschließend stellte ich folgende Frage:

Wie kannst du dir diese Bedürfnisse selbst erfüllen?

Denn häufig erwarten wir von unserem Umfeld (Partner, Chef, Kolleg:innen etc.), dass sie „riechen“, was wir brauchen. Dabei kommunizieren wir weder ehrlich das, was uns bewegt, noch wissen wir überhaupt, was wir brauchen, damit wir es kommunizieren könnten. Gerade im Mobbing-/Bossing-Kontext werden Bedürfnisse häufig lange zurückgestellt, angepasst oder externalisiert, so dass wir selbst keinen Zugang mehr dazu haben.

Bei der Beantwortung dieser Fragen ist es wichtig, sie wirklich persönlich zu formulieren. Je detailgenauer, umso wertvoller, weil wir dann wirklich ein Gefühl dafür bekommen, wie es sein sollte.

Also wenn du das hier nun liest, nimm dir doch gerne die Zeit und beantworte diese Fragen für dich persönlich.

Mehr zu Bedürfnissen findest du auch in diesem Blogartikel: Deine Bedürfnisse zählen: Wie intellektuelle Rebellen lernen, sich selbst nicht mehr zu übergehen.

Werte als Leuchttürme

Neben den Bedürfnissen sind auch die eigenen Werte entscheidend. Sie weisen uns den passenden Weg. Doch häufig übernehmen wir die Werte einfach aus unserem Umfeld, ohne sie für uns selbst zu hinterfragen. Doch Werte geben uns erst dann wirkliche Orientierung, wenn sie konkret definiert sind und wenn sie damit wirklich zu unseren Leitsternen werden. Begriffe wie Sicherheit oder Freiheit entfalten erst Wirkung, wenn klar ist, was sie im eigenen Leben tatsächlich bedeuten und wir wissen, woran wir erkennen, dass sie erfüllt sind.

Wie du deine eigenen Werte finden kannst, erfährst du auch in diesem Blogartikel: Finde deine wahren Werte – für mehr Erfüllung im Beruf und in deinem Leben.

Angst: Grenzen setzen raubt mir meine Freiheit

Ich selbst erzählte von meiner Angst, die ich lange hatte, dass es meine eigene Freiheit einschränken könnte, wenn ich im Außen Grenzen setze. Doch tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Wenn wir Grenzen für uns setzen, bedeutet das mehr Freiheit für uns selbst und unser Leben.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass fehlende Grenzen häufig zu Überforderung und gesundheitlichen Folgen führen. Also, wenn du gerade noch zögerst, Grenzen zu setzen, dann mach dir bewusst, was du in deinem Leben brauchst (Bedürfnisse) und trau dich dafür einzustehen.

Kleine Schritte statt großer Versprechen

Zum Abschluss wurden die Teilnehmenden eingeladen, zwei konkrete Schritte zu formulieren, die sie kurzfristig umsetzen können. Dabei ging es nicht um große Veränderungen, sondern um realistische Handlungen wie Nein sagen, klarer kommunizieren, Bedürfnisse benennen oder strukturelle Themen ansprechen.

Gleichzeitig wurde auch klar benannt, dass nicht jedes System veränderbar ist. In solchen Fällen ist es legitim, sich zu schützen und Konsequenzen zu ziehen, bevor die eigene Energie erschöpft ist.

Auch wenn dies in vielen Arbeitskulturen leider immer noch weit verbreitet ist: Es ist keine Schwäche, sich krankzumelden, es ist eine VERDAMMTE STÄRKE. Mitarbeitende, die auf sich achten, Selbstfürsorge betreiben und sich Auszeiten nehmen, wenn sie sie brauchen, werden perspektivisch leistungsfähiger und belastbarer sein. Auch hier ist ein Umdenken in der Arbeitswelt dringend erforderlich.

Fazit

Die zweite Online-Live-Demo „Kluge Köpfe. Klare Kante.“ hat gezeigt, wie tief toxische berufliche Erfahrungen nachwirken können, selbst wenn der formale Kontext längst verlassen ist. Besonders deutlich wurde, dass körperliche Symptome, innere Unruhe und Orientierungslosigkeit häufig logische Folgen belastender Strukturen sind.

Gleichzeitig wurde sichtbar, dass Klarheit über eigene Bedürfnisse, Werte und Grenzen eine zentrale Voraussetzung ist, um das eigene Berufsleben bewusst zu gestalten und vor allem ein erfülltes Berufsleben zu führen.

Die nächste Online-Live-Demo „Kluge Köpfe. Klare Kante.“ findet am 12.03.2026 ab 19 Uhr statt. Der Austausch über Branchen und Hierarchien hinweg bleibt für mich ein wesentlicher Bestandteil dieses Formats, weil genau dort neue Perspektiven entstehen. Hier kannst du dich anmelden.

Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dein Berufsleben einfach nicht mehr stimmig ist, dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einer Entscheidung, sondern mit dem ernsthaften Wahrnehmen dessen, was längst da ist.

Wenn du dich in diesen Zeilen wiederfindest, lies gerne auch hier weiter:

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